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Bleiberecht für Koblenzer Kinder
Familie Yildirim muss zurückkehren!

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Raus aus dem Elend                                  
Aktion: Eine Kuh für Familie Yildirim

Am 31.Oktober 2006 gegen 6.30 Uhr, also vor fast einem Jahr, fand die Abschiebung der kurdischen Familie Yildirim aus dem Kirchenasyl in der Kirche St. Peter in Koblenz-Neuendorf statt. Voll Entsetzen mussten viele Koblenzer Bürgerinnen und Bürger mit an sehen, wie Polizei und Ausländerbehörde die Familie aus der Kirche heraus in bereitstehende Fahrzeuge verfrachteten. Die drei in Deutschland geborenen Kinder Serhat, Cebrail und Emine wurden mit ihren Eltern in ein Land abgeschoben, das sie gar nicht kennen. Sie leben heute auf engstem Raum mit der Großmutter und den drei dort geborenen Kindern in dem Dorf Tepeüstü, nahe der syrischen Grenze.

                                 Familie Yildirim vor der Abschiebung 2006

Nafiye im Oktober `06               Nafiye und Serhat im Juli `07

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Von dort erreicht uns Mitte Juli ein kleiner Film, so dass wir quasi zu Besuch bei der Familie eingeladen sind. Wir betreten das Haus und begegnen der kleinen Emine, die uns das Bad zeigt, ein kleiner abgetrennter Raum von 2qm, der mit Gefäßen voll Wasser bestückt ist.

                                        Zugang zur einzigen Toilette für die 9 Personen

Der Boden ist festgetretener Lehm, von der Decke fällt der Putz herab. Wir begleiten sie weiter nach Draußen, wo sie uns die Tür zur Toilette zeigt: ein Plumpsklo für 9 Personen. Vor der Tür sehen wir auch zwei Hühner frei herumlaufen, leider ist kein Grün zu sehen. Wir fragen uns, wo die Kinder spielen, denn hier im Dreck, zwischen den Abwasserrinnen, die aus den Häusern kommen, haben sie kaum Platz.

                              Abwässer laufen quer durchs Dorf - kein Grün weit und breit

Zurück im Haus werden wir in die Küche geführt, wo ein Gasherd mit einer Gasflasche als Kochstelle dient. Ein Kühlschrank lässt sich erkennen, und hinter einer Art Tisch mit Vorhang sind Teller und Kochgeschirr zu finden. Der Film schwenkt zu Serhat, der viel dünner geworden ist
                                                            Serhat in der Küche

Man sieht dem mittlerweile Elfjährigen an, dass er am meisten unter der Abschiebung leidet, weil er sie sehr bewußt erlebte. Verunsichert sagt er einige Sätze auf Deutsch und wendet sich ab.

Wir dürfen nun das Wohnzimmer betreten, es ist der Schlaf- und Wohnraum, bedeckt mit Teppichen und Matratzen. Hier schlafen alle auf dem Boden, von Intimsphäre kann nicht die Rede sein.

                                    Schlafen auf dem Boden im gemeinsamen Schafraum


Und abschließend der Schwenk zum Himmel weit über die schadhaften Dächer hin zu einem Vogel, der in den Abendhimmel fliegt. Zum Abschied ein Friedens- und Hoffnungsbild.

                                              Cebrail vor der Hauswand aus Lehm

Es sei kurz erinnert, dass das Ehepaar Yildirim 1996 aus der Türkei quer durch Südosteuropa nach Deutschland geflohen war. Ihre drei Kinder ließen sie bei der Großmutter, weil die Strapazen der Flucht den Kleinkindern nicht zuzumuten waren. Wie so viele andere kurdische Flüchtlinge konnte das Ehepaar darauf hoffen, ihre Kinder auf sicherem Weg bei Anerkennung des Asylgesuchs zu sich zu holen. Diese Hoffnung hat sich durch die über 10jährige Duldung in Deutschland und durch die mehrfach abgelehnten Asylanträge zerschlagen. In den 10 Jahren sind drei Kinder geboren, die hier in Koblenz ihre Heimat fanden: Schängelchen.

Alle Argumente, die zugunsten der Familie sprachen, fanden kein Gehör bei unseren Behörden. „Die Kinderrechte sind ausländerrechtlich irrelevant“, ließ Innenminister Bruch durch seinen Ministerialdirigenten mitteilen. UN-Kinderrechtskonvention, die Ermahnung des UN-Flüchtlingshochkommissars, die neue EU-Asylrichtlinie und das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz zur Beachtung der Kinderrechte im Rahmen der Europäischen Menschenrechtskonvention wurden vom Tisch gewischt, und zwar so als seien sie das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. Schlussfolgernd könnte man sagen: das deutsche Ausländerrecht bricht     Kinderrecht.

Aus der Koblenzer Armut haben unsere Behörden in das Elend in Kurdistan abgeschoben. Einziger Lichtblick: Nach mehrmonatiger Trennung ist die Familie zusammen. Vater Ali Yildirim hat sich Ende April aus Istanbul zu seiner Familie gewagt, obwohl das Damokles-Schwert des Verfahrens wegen „Beleidigung des Türkentums“ über ihm schwebt. Diese Angst ist ständiger Begleiter und wird es noch lange Zeit bleiben.

Nichtsdestotrotz müssen nun der Alltag bewältigt und eine neue Existenz aufgebaut werden. Die Koblenzer Kinder gehen in die Schule, wo türkisch gesprochen wird, was sie nicht sprechen. Sie vermissen ihre Heimat, ihre Freundinnen und Freunde und müssen sich an ein ganz anderes Leben gewöhnen. Als Emine ein Flugzeug am Himmel sieht, sagt sie:“Papa, hol das Flugzeug doch herunter, damit es uns nach Koblenz mitnehmen kann!“ Auch nach fast einem Jahr ist das Heimweh da. Während die Kinder die Schule besuchen, kümmern sich Ali und Nafiye mit der Großmutter um das Haus und um ihr Überleben. Sie sind auf sich selbst angewiesen, müssen sich selbst helfen, auch wenn sie mit Unterstützung aus Koblenz rechnen können.

Die Versprechen der Landesregierung, in persona Innenstaatssekretär Roger Lewentz, erwiesen sich allerdings als leer und hohl. „Die deutsche Botschaft sagt das nicht und die beobachtet den Fall vor Ort, sie begleitet auch die Frau und die drei Kinder und das ist das, war wir machen, um auch die türkischen Einrichtungen/Institutionen/Sicherheitskräfte sozusagen zu kontrollieren, zu überwachen um denen zu signalisieren, dass der deutsche Staat auch Rheinland-Pfalz auch bei abgeschobenen Menschen hinschaut, wie es mit denen weitergeht“, so der Staatssekretär am 8.11. im SWR-Fernsehen. Als Ali Yildirim um diese konkrete Begleitung bei dem deutschen Generalkonsulat in Istanbul anfragt, um für seine mittellose Familie die grüne Gesundheitskarte vom türkischen Staat zu erhalten, bleibt dies bis heute ohne Ergebnis. Quasi zur Verdeutlichung schreibt Herr Innenminister Bruch an ein Mitglied der Pfarrei am 5.6.07: „Sofern Sie weitergehende Informationen über den aktuellen Stand der Bemühungen um die Ausstellung einer Versicherungskarte wünschen, darf ich Sie bitten, sich direkt an das Auswärtige Amt als vorgesetzte Behörde des deutschen Generalkonsulats zu wenden.“ Man könnte es übersetzen: „Lasst mich endlich in Ruhe!“

Die Abgeschobenen müssen sich selbst helfen, und das tun sie und haben eine neue Perspektive entwickelt: Ziel ist es, sich durch Landwirtschaft das Überleben zu sichern. Ein paar Hühner und ein Schaf konnten schon angeschafft werden. Nun soll eine Kuh der weiteren Existenzsicherung dienen, vor allem weil es im Dorf keine andere Milchproduktion gibt.

Eine Kuh mit guter Milchabgabe kostet zweischen 900.- und 1.500.-  €uro. Mit der erhofften Milch soll zunächst die Familie versorgt und mit dem Überschüssigen dann auch etwas Geld verdient werden. Vielleicht gelingt es Käse herzustellen. Aber über allem schwebt das Damokles-Schwert des Verfahrens gegen Ali Yildirim.

Der Unterstützerkreis hält weiterhin regelmäßig Kontakt und bleibt informiert. Und die Ironie dabei ist, dass die Kommunikation auf Deutsch geschieht, obwohl vorher die Behörden der Familie immer mangelnde Integration und fehlende Sprachkenntnisse vorgehalten hatten.

Wer mithelfen will bei der Beschaffung der Kuh, kann gerne einen Beitrag leisten:

Konto: 123 778 bei der Sparkasse Koblenz BLZ 570 501 20,
Stichwort Milchkuh
Kontoinhaber: Pfarrei St. Peter, Koblenz-Neuendorf